Fotografie Bernd Geller

Ein Fotograf muss ein Auge für die Komposition entwickeln, seine Kamera beherrschen, künstlerisch motiviert sein, ethisch denken und nach kreativen Lösungen suchen – und dabei immer leidenschaftlich nach visueller Perfektion streben.

Tom Ang

 

Stadtfest 2019 in Eisenhuettenstadt Werbeplakat
Werbeplakat zum Stadtfest 2019 in Eisenhuettenstadt – Fotografie Bernd Geller – Fotodesign und Bildarchiv –

 

Städtisches Museum Eisenhüttenstadt – Eröffnung der Ausstellung von Volker Döhne (links) am 15.06.2019. Der Fotograf im Gespräch mit Frau Maria Wundersee (Leiterin des Städtischen Museums in Eisenhüttenstadt), dem Landrat des Landkreises Oder-Spree Herrn Rolf Lindemann und dem Leiter des Kultur- und Sportamtes, Herrn Arnold Bischinger (vlnr).

 

Laudatio Volker Döhne- Fotografie – unter dem Titel

„Gesellschaft und Wandel“ – Fotografie Anordnungen in Zeit & Raum

Städtisches Museum Eisenhüttenstadt am 15.06.2019 von Bernd Geller

 

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Fotofreunde,

als ich im Vorfeld der Ausstellung die ersten Bilder per Mail sah, merkte ich,

dass ist etwas anderes,

ein anderer Stil,

eine andere Art,

der mich an bestimmte Fotografien erinnerte.

 

Als ich dann die Vita von Volker Döhne las, war mir klar, an welchen Stil die Bilder mich erinnerten.

Bernd und Hilla Becher, ein Fotografenehepaar aus Nordrheinwestphalen und Begründer der Düsseldorfer Fotoschule.

2004 haben beide Becher in der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH technische Anlagen im Roheisenwerk fotografiert. Diese Bilder hängen heute noch im Flur des Verwaltungsgebäudes.

Die Fotos haben eine sachliche und klare Bildsprache und sind in Schwarz-Weiss. Nüchtern und natürlich. Die Strukturen der Industrieanlagen und Bauten kommen plastisch hervor.

Volker Döhne studierte an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf unter der Professur von Bernd Becher.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er diesen Stil weiter prägt.

Seine Exposition in Eisenhüttenstadt besteht aus fünf Teilausstellungen.

  • Rückzug, 2013
  • Pfade, 2016
  • Umbau, 2014
  • Wiederaufbau, Coventry, 1993
  • und Wiederaufbau, Krefeld, 1990/1991

Als ich,

ein Kind unserer Planstadt Eisenhüttenstadt,

vor vielen Jahren eine geführte Stadtrundrundfahrt durch Krefeld unternahm, stellte ich damals erschreckend fest, das zwischen Krefeld und Eisenhüttenstadt in der Architektur des Stadtbildes Welten liegen.

Hier in Eisenhüttenstadt eine sorgfältig am Reißbrett geplante Stadt und dort in Krefeld eine Stadt mit recht eigenartiger Lückenbebauung.

Die Bildserie „Wiederaufbau Krefeld“ zeigt dies unmissverständlich und Volker Döhne hat sie auch konzequent in dieser Art durchfotografiert.

Zentrale Perspektiven, verzerrungsfrei und menschenleer.

Paralell zur Straßenfront.

Bild für Bild. Der Besucher der Ausstellung kann diese Straße Schritt für Schritt im Sinne des Fotografen mit abschreiten.

Natürlich sollte man als Besucher auch die Geschichte der Stadt Krefeld berücksichtigen. Krefeld wurde am 21. Juni 1943 durch britische Bomber zerstört.

Eisenhüttenstadt ist erst nach dem zweiten Weltkrieg als Musterstadt für eine neuen Gesellschafttheorie entstanden.

 

Mit dem Wissen der Zerstörung Krefelds im Krieg und dem folgenden Wiederaufbau der Stadt ist es eigentlich für Volker Döhne folgerichtig, zu Vergleichen, wie der Aufbau anderer Städte sich vollzog.

Und hier ist es wieder der Fotograf, welcher den umkehkehrten Fall der Zerstörung im Krieg betrachten möchte.

Deutsche Flieger bombandierten, drei Jahre zuvor, am 14. November 1940, die englische Stadt Coventry.

Wie hat diese Stadt in Großbritannien den Wiederaufbau vollzogen?

Die Bildserie gibt dazu Antworten.

Seine Bilder zeigen unterschiedliche architektonische Epochen, welche hier aufeinanderstoßen.

Zentral steht das Wahrzeichen St. Michaels Cathedral. Als Mahung steht nur noch der große Turm und einige Außenmauern.

Die neue Kathedrale wurde direkt neben den Ruinen erbaut.

 

Prägnant für die Stadtansichten sind auch die Hochhäuser aus den 70iger und 80iger Jahren. Ähnlichkeiten mit dem Oderturm in Frankfurt an der Oder sind unverkennlich.

Die Bilder zeigen aber auch planvoll angelegte Komplexe, aber auch Provisorien und auch Fachwerkhäuser.

 

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist mathematisch gesehen die Gerade.

Menschen streben danach, die kürzeste Verbindung zu suchen und sich nach Ihnen zu richten.

Schauen sie sich die Bilder der Serie „Pfade“ an, so werden sie feststellen, dass der Mensch doch nicht so rational handelt.

Es sind nicht immer Geraden. Sie haben Bögen und Winkel.

Es ist wie das Leben.

Zielgerichtet, geradlinig, aber doch nicht immer eine Gerade, sondern auch mit Abweichungen verbunden.

Die Bilder erscheinen einfach und unspektakulär. Sie erschließen sich aber erst auf den zweiten Blick.

Der Veruracher, der Mensch, erscheint nicht auf diesen Fotos.

Mit Fotografien hält der Fotograf die Geschichte fest, aber die Bilder erzählen auch Geschichten.

Die Serie „Umbau“ verleitet gerade dazu, zu verweilen.

Bleiben Sie einfach stehen vor den Strukturen der Mauern, Wände und Fenster. Lassen Sie sich ein und Sie werden merken, wie diese Anordnungen Geschichten erzählen.

Ein zugemauertes Tor, der Zugang wurde weiterhin durch eine Tür ermöglicht. Aber später wurde auch diese Tür zugemauert.

So zeigen diese unterschiedlich verarbeiteten Materialien abwechselnde Nutzungsarten zu verschiedenen Zeiten. Dieser Ausschnitt der Mauer erzählt seine Geschichte.

Und so können Sie jedes Bild dieser Serie seine Zeitreise erzählen lassen.

 

Ein sehr aktuelles Thema greift Volker Döhne mit der Bildreihe „Rückzug“ auf.

Stillgelegte Eisenbahnstrecken, die von Straßen und Wegen durchgetrennt sind.

Sie geraten aus dem Blickfeld, weil sie langsam und stetig durch die Natur und durch menschliche Absperrungen optisch verschwinden.

Manchmal wirken sie grotest. Enden im „Nichts“.

Oder sind das Fundament für ein Werbeschild mit der Aufschrift „Einfahrt“ (bezieht sich dann aber nicht auf den Zug, sondern auf das Auto zur Fahrt auf den Parkplatz des Einkaufscenters).

Vielfach erhalten die stillgelegten Eisenbahnstrecken auch eine neue Nutzung.

Radwege und Wanderwege entstehen auf diesen alten Bahndämmen. Bahnhofsgebäude werden einer neuen Nutzung zugeordnet.

Also wird aus dem Rückzug auch wieder ein Fortschritt.

Eine andere Bestimmung eben.

Volker Döhnes Bilder zeigen in der Gegenwart, Vergangenes.

Sich Veränderndes.

Es zeigt die wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderung in unserer Zeit.

„Gesellschaft und Wandel“ – Fotografie Anordnungen in Zeit & Raum – ist der Titel der Ausstellung.

Der Fotograf hat dies mit seinen Bildern festgehalten. Durch seinen fotografischen Stil führt er den Betrachter dorthin, regt ihn zum Beobachten und zum Schlußfolgern an.

Folgen sie seinen Bildern, mache sie sich die Mühe zum Hinterfragen und sie werden sehen, sie bekommen einen eigenen Zugang zu den Fotos,

ganz im Sinne des Fotografen,

Volker Döhne.

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.